Donnerstag, 25. Februar 2016

[Rezension] Engelskalt - Ein Fall für Kommissar Munch 1 von Samuel Bjørk *Spoiler*


Titel: Engelskalt - Ein Fall für Kommissar Munch 1
Autor: Samuel Bjørk
Laufzeit: 12h, 58 Minuten
Verlag: der Hörverlag ( 20.04.2015)
Jetzt kaufen: Hörbuch, Broschiert, E-Book
Vom mir empfohlenes Alter:  16 Jahre
Gerne:  Thriller, Krimi
Sprache: Deutsch
Bewertung:  3,5 Sterne


 
Kurzbeschreibung
 
Dunkel, abgründig, zum Fürchten gut. Die Spannungssensation aus Norwegen

Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, das mit einem Springseil an einem Baum aufgehängt wurde und ein Schild um den Hals trägt: „Ich reise allein.“ Kommissar Holger Munch wendet sich an seine Kollegin Mia Krüger, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen, um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Kind bleiben wird …

Meine Empfehlung mit Spoilern

Die Begeisterung lässt nicht nach - Wie bereits angekündigt habe ich mir ein weiteres Hörbuch geholt, dass von Dietmar Wunder gelesen wird. Ich hatte eher das Gefühl mir einen Thriller im Fernseher anzusehen, so bildlich und gekonnt liest er vor.

Der Thriller "Engelskalt" versprach mit seinem schaurigem Cover spannend zu werden - leider hält er nicht das, was ich erwartet habe und konnte mich daher nicht überzeugen. Der Plot an sich klang ganz spannend, es mangelt aber an Einfallsreichtum und im Allgemeinen an der Umsetzung. Das Thema ist etwas gewagt gewählt und nicht für jedermann, da die Opfer Kinder sind. Für ein Debütroman hat sich der Autor Samuel Bjork hier eindeutig aufs Glatteis gewagt und mich mit seiner Vorstellung nicht sonderlich beeindruckt. Mehr oder weniger, hätte man  auch noch aus dem vorhandenen Plot ein weiteres Buch machen können, ohne dass es zu Verwirrungen gekommen wäre.

Ich finde den Schreibstil ganz schön gewöhnungsbedürftig und die verschiedenen Fälle sonderbar. Teilweise trivial ausführliche, abgehackte Sätze und zu viele Handlungsstränge, mit vielen wichtigen darunter, die relativ abgeflacht abgehandelt werden. Ständige Wiederholung der Namen (Vor- und Nachname), immer wieder und kurz hintereinander in ein und dem selben Kapitel nerven und unterbrechen den Lesefluss. Die Geschichte kann mit nichts Neuem aufwarten, alles ist schon mal da gewesen und die Spannung wird durch Horrer-Schocker-Szenen aufrechterhalten.

Ob der Stil jetzt skandinavisch ist oder nicht, ich konnte mich mit diesem Buch einfach nicht anfreunden. Rein Sprachlich fand ich es ganz ansprechend, leider wird man direkt am Anfang der Geschichte in den erschreckend düsteren Thriller gestürzt und ein Schocker jagt den Nächsten.  In der Mitte kann die Spannung nicht gehalten  werden, bevor man zum großen Finale schlittert. Ist das so gewollt vom Autor oder ein verzweifelter Versuch, einen spannenden Thriller zu erzwingen?

Wenn der Autor die Ereignisse und Chronologie des Geschehen aus Sicht von mehreren Protagonisten und Zeiten, vor allem aus Sicht von Holger Munch und der depressiven Mia Krüger schildert, so zeigt er die Vorkommnisse aus wechselnden Perspektiven. Eins muss ich wirklich mal anmerken: sind in diesem Buch nur grausame Lebenserfahrungen und psychisch Kranke Individuen vertreten? So scheint es zumindest. Ganz ehrlich, wer lässt einen Selbstmord gefährdeten Junky wie Mia als Ermittlerin arbeiten? Das ist bloß eine der Merkwürdigkeiten, die mich persönlich stören, aber diese hat es wirklich in sich. Absolut jeder Protagonist - ob jung oder alt - hat übertrieben mit Selbstzweifel oder psychischen Problem zu kämpfen. Am schlimmsten und nervigsten empfand ich das bei der Ermittlerin Mia Krüger. Sie ist Suizid gefährdet und wiederholt immer die selbe Laier: "Ich möchte meiner verstobenen Schwester folgen". Das habe ich im ersten Kapitel schon verstanden, es musste nicht bis zum großen Finale so weiter gehen.

Ach ja, da wäre noch der unzurechnungsfähige Täter, der jahrelange Planung betrieben hat und auf so vielen Gebieten spezialisiert ist, dass es fast schon unheimlich ist. Den Grund des Täters für die grausame Rache, kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Das mag aber daran liegen, dass ich nicht so ein geistiger Krüppel bin. Wie kann so eine Geistig kranke Person nicht auffallen, bis es zu Spät ist? Ich habe die Geschichte bis zum Ende angehört und auf eine logische Auflösung gehofft, bin jedoch immer noch etwas verwirrt.
 

Fazit - Bewertung: 3,5 Sterne

Gut das ich "Engelskalt" als Hörbuch hatte, wenn ich das Buch selbst gelesen hätte, dann wäre spätestens ab der Mitte für mich Schluss gewesen. Der Plot  an sich hat mir echt gut gefallen,  obwohl es so ein beklemmendes Thema umfasst, aber für die Umsetzung des Autors kann ich nicht mehr als 3,5 Sterne vergeben! Ich habe mir die Entscheidung wirklich nicht einfach gemacht, es ist aber leider so, dass mich dieses Buch in einen Zweispalt versetzt hat. 

Autor

Hinter dem Pseudonym Samuel Bjørk steht der norwegische Autor, Dramatiker und Singer-Songwriter Frode Sander Øien. Er wurde 1969 geboren, schrieb im Alter von 21 Jahren sein erstes Bühnenstück und veröffentlichte seitdem zwei hochgelobte Romane sowie sechs Musikalben. Sein erster Thriller, „Engelskalt“, wurde ein Bestseller. Derzeit lebt und arbeitet er in Oslo.

Dr. Gabriele Haefs studierte in Bonn und Hamburg Sprachwissenschaft. Seit 25 Jahren übersetzt sie u.a. aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen. Sie wurde dafür u.a. mit dem Gustav- Heinemann-Friedenspreis und dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, zuletzt 2008 mit dem Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie hat u.a. Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt übersetzt. Zusammen mit Dagmar Mißfeldt und Christel Hildebrandt hat sie schon mehrere Anthologien skandinavischer Schriftsteller herausgegeben.


Gelesen von ...

Dietmar Wunder verdankt den "James-Bond"-Filmen mit Sean Connery seinen Weg ins Filmgeschäft. Heute ist er als Schauspieler, erfolgreicher Synchron- sowie Hörbuchsprecher und Dialogregisseur tätig. Er ist die deutsche Stimme vom aktuellen "James Bond"-Darsteller Daniel Craig sowie von Adam Sandler, Cuba Gooding Jr., Omar Epps und Sam Rockwell. Wunder wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet, darunter der Deutsche Synchronpreis 2008 für die Dialogregie der TV-Serie Weeds und der Ohrkanus 2011 in der Kategorie „Beste Lesung Kinder/Jugendliche“. Wunder ist aber auch vor der Kamera zu sehen, so u. a. in Uli Edels "Der Baader Meinhof Komplex". Beim Los Angeles Reel Film Festival 2010 erhielt er den Award „Best Supporting Actor“ für seine Rolle im Thriller "Not Worth A Bullet". Im Hörverlag ist Dietmar Wunder u. a. in der Lesung von "Das Lied der Freiheit" von Ildefonso Falcones zu hören.